Gedanke zur Nachwuchsförderung

 Hallo zusammen,

nach einem längeren Telefonat mit einem Funkfreund, in dem es einmal mehr um Nachwuchsförderung ging, habe ich mich entschlossen, meine Gedanken dazu hier zu veröffentlichen.

Bei Wikipedia gibt es aktuell keinen Artikel zur Nachswuchförderung. Das ist evtl. der Tatsache geschuldet, dass jeder etwas anderes unter Nachwuchsförderung versteht. In unserem Hobby scheint Nachwuchsförderung beim beglückwünschen der bestandenen Prüfung zu enden. Und dann?

Vorsicht Anfänger!

Viele Ortsverbände führen mit Kursen zur Amateurfunkprüfung. Danach, glaube ich, werden die Anfänger aber zu häufig sich selbst überlassen. Sie kommen aus der Prüfung und dürfen sofort Ihre (für viel Geld zusammengestellte) Station in Betrieb nehmen, wissen IMHO aber häufig nicht viel darüber, was sie wirklich erwarte. Einige OVs reagieren bereits darauf und veranstalten z.B. gemeinsame Bastelworkshops. Hier muß ich das "betreute Löten" des OV B13 erwähnen oder die Technik-abende des OV B12.

Das Problem ist, dass die Lernkurve flacher ist, als sie es sein müßte. Viel Geld und Motivation wird unnötig kaputt gemacht. Z.B. werden selbst einfachste Antennenversionen (Dipole für KW) für teuer Geld gekauft, weil sich der Neuling nicht ans Basteln ran traut. Wenn ich mir überlege, welchen Quatsch, gerade bei Antennen, ich mir die ersten paar Monate gekauft habe, ohne zu verstehen, warum und wie das Zeug funktioniert - schade drum! 

Jede Spielart des Amateurfunks hat ihre Eigenheiten und jeder erfahrene Funkamateur sollte bemüht sein Neulingen beim Einstieg zu helfen. Für mich bedeutet das, nicht meine in 20 Jahren gewachsene Station, als das Non-plus-ultra zu verkaufen, sondern auch mal zu zeigen wie es einfacher geht. KW ist nicht nur mit 35m hohen Antennentowern, 750W PA und Monobandyagis zu machen. UKW SSB-Betrieb setzt nicht zwansläufig 4x8 Elemente voraus. Digimodes müßen nicht unbedingt mit einem SDR und dem neusten HighperformancePC gemacht werden. Neulingen den Einstieg zu erleichtern, sie zu beraten und ihnen Mut für erste eigene Schritte zu machen sollte ein Teil des oft zitierten "HamSpirit" sein.

Also hier mein Aufruf an alle "alten Hasen" oder OMs: egal ob am OV-Abend, auf dem Relais XY, auf KW oder im Internet, immer wenn ihr eine Frage zum 100mal hört, geht mental ein paar Jahre zurück und überlegt, wie sicher und erfahren ihr am Tag Eurer Prüfung, oder das erste mal am TRX gefühlt habt. Habt Geduld eine Frage auch das 100mal freundlich zu beantworten.

Wenn ich an das erste CW QSO und die Ausdauer meines Gegenübers denke, weiß ich wie ich mich verhalten sollte!

Grüße Thomas